header image
 

Spooky

Und wenn nachts in Ebisu die besten italienischen Pizzabäcker der Stadt langsam zur Ruhe kommen steigen die Nesumes aus ihren Höhlen… auch die menschlichen. Ich saß sehr friedlich in meinen Cocktail vertieft an der Bar, als mich so eine menschliche Ratte ins Visier nahm. Kein Jikoshokai, nicht mal ein Name, dafür die Abhandlung der westlichen und östlichen Philosophiegeschichte. Der Abgrund. Ich wollte ihn sitzen lassen, doch dann kam neues Fachvokabular auf mich zu, dass ich doch mal näher ins Gehör nehmen wollte. So schlitterten der redseelige Yungky und ich die zugefrorenen Straßen entlang bis zu einer noch kleineren Gasse. Ein Geisterhaus. Er berichtete von zahllosen unheimlichen Begnungen. Nachts, wenn der Hase in den Mond steigt und der Stoff die Venen hoch, spiegelt sich das Anglitz der gesichtslosen Frau an der blanken, schwarzen Decke. Erlebte 3 Wochen später lagen wir rings um den Neuseeländer in unseren warmen Ecken und haderten mit ihr jeder in seiner eigenen Sprache Auge in Auge mit dem Nichts ihres Gesichts…

Tokyo - Stadt der frivolen Niedlichkeit

Wer als Besucher nach Tokyo kommt kriegt alle 5 Minuten das Wörtchen “kawaiii” um die Ohren geschleudert. Nun Touristen werden sich dabei nichts großartiges denken, vielleicht gar nichts, vielleicht schlagen sie in ihrem kleinen “Marco Polo” nach und entdecken: “Aaaah, niedlich!” grinsen vor sich hin und lassen die fremden Wortfetzen weiter auf sich niederprasseln. Wer nun aber NICHT nur zu Besuch da ist, sondern vielleicht wie ich nun gerade in dieser Stadt seinen Alltag fristet der kriegt das Wort “kawaiii” auf die “Babel”-Art zu spüren. Letzten Samstag begab ich mich also mal wieder in den “niedlichen” Underground-Techno-Schuppen in Shibuya, trank mich in Gute Laune und Lachflasch. Es ist nämlich jenes lustige Symptom, dass Ausländer untereinander - nun, sich gar nicht ausstehen können. Wenn nun also ein Ausländer auf einen anderen ( und das sind immerhin 2% der Bevölkerung, da kommt das täglich vor) trifft, dann wird sich gegenseitig angestarrt, voller Hass und vielleicht mit einem süffisanten Lächeln “Sooooo, duuu kommst also in MEINEN Club??!!!” Da meist nicht mehr an Kommunikation herauszuholen ist hielt ich mich denn auch lieber an die Einheimischen und ging schließlich mit dem Aufdringlichsten eine Unterhaltung ein. Aber: falsch gedacht. Aufdringlich ist dann nämlich noch mal etwas anders in Japan und die liebe Männerwelt kommt dann doch nicht so ganz mit emanzipierten Frauen klar.Situation: Smalltalk, trinken, hemmungsloses Rumgeknutsche auf der Tanzfläche (2 h). Die Dame schwächelt, wendet sich an den Herren: “Du wollen wir uns vielleicht ein Eckchen suchen?” “Hä?” “Ein Zimmer. Du und ich.” “hm… wo wohnst du?” “weit weg. ich dachte mehr an ein Zimmer hier in der Nähe. Kurz….” “Ich wohne in Chiba. Möchtest du mit kommen?” “….” Die Dame schlägt ihren betrunkenen Kopf an die Wand. Der Ausländer sieht es, denkt er müsse zur Hilfe eilen. “Nein, wir haben hier nur etwas Verständnisprobleme. Passt schon.” Wieder zurück zur Verhandlung. “Also… ” “Ja, du kommst mit, ist ganz nah. Lass uns gehen.” Die Dame ist müde, auch egal, hauptsache der letzte Zug nach Hause fährt danach. Eine Zugfahrt, eine Busfahrt, eine Taxifahrt und genau weitere 2 Stunden später irgendwo im Niemandsland. “Sind wir bald da?” “Ja, komm wir kaufen noch Frühstück.” “……” 30 Minuten später vollbepackt mit Einkaufstüten in der fremden Wohnung. Jetzt wird es langsam knapp mit dem Zug, also wird Mr. Cool von der Tür weg niedergeknutscht. Doch nein, “lass uns frühstücken” sagt er, schiebt Lady “Langsam wird´s mir zu blöd” einen Stuhl hin, macht Tee und serviert ein happiges (weil riiiieeeesig!) japanisches Frühstück. Wieder überstanden. Na, jetzt vielleicht? Sie probiert es nochmals mit nem Küsschen, er schiebt sie abermals weg “Lass uns baden.” Jaaaa, nicht duschen! Baden! Das tut man so. Na klasse. Nur leider war Madame nach dem Bad dann sooo müde…. ne?! Selbst schuld. Der Punkt ist nur leider, dass es ihm nicht mal leid tat. Kuscheln wollte der Japaner, da war er glücklich. Kuscheln und reden. Weichei? Vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass er hauptberuflich in einer der angesagtesten Discos der Stadt DJ ist und zum frühstücken erstmal Koks,Gras und Pillchen Beiseite geschoben werden mussten. Weichei nicht, nur auch wenn sie das Kama Sutra im Schlaf können. die Männer hier haben den wahrscheinlich unterdrücktesten Drang in der Welt. Die statistisch geringste Sexrate ja sowieso, doch liegt das nicht an störrischen Frauen, sondern einzig und allein an einer sehr verkorksten Einhaltung fremder Wertvorstellungen, was sich dann plötzlich eigene Tradition schimpft. Never mind. Und wenn man als Ausländer dass dann am eigenen Leib erfährt, dann ist es einfach nur noch sehr, sehr “kawaiii” , ne?